– hast du ihn vielleicht verpennt?


Kannst du dich so ganz spontan an den letzten besonderen Moment in deinem Leben erinnern? Oder musst du erst anfangen zu grübeln, wann das gewesen sein könnte… und überhaupt: Besonderer Moment? Was ist denn schon ein besonderer Moment???

Also – ich kann schwuppsdiwupps wirklich hunderte von tollen Momenten aus dem linken Ärmel zaubern. Vielleicht sind’s ja sogar tausende? Egal… – es sind auf jeden Fall so viele, dass ich sie ganz sicher nicht mehr zählen kann…

Da kommen mir unter ganz vielem anderem als erstes natürlich die unglaublich genialen Insel-Auszeiten auf Mallorca in den Sinn, wo sich ja allein da schon hunderte von solchen Momenten dicht an dicht aneinander gereiht haben. Dazu die vielen Seminare, wo es unendlich viele besondere Momente gab. Die Zeit, in der ich geradezu exzessiv jeden Moment er- und gelebt habe, wenn ich mit dem Motorrad unterwegs war. Die jährlichen Ibiza-Reisen – anfangs mit den Biker-Mädels, dann mit the best of all my friends Beate. Und ich schwöre: Wir haben nicht den klitzekleinsten genialen Moment ungelebt gelassen – vor lauter Angst, wir könnten etwas verpassen…

Und dazu kommen die vielen vielen kleinen (all)täglichen Glücksmomente… die zugegebenermaßen nur da sind, wenn ich sie auch wirklich sehen will!


Einfach alles top in meinem Leben?

Nein… nicht wirklich!

Ganz im Gegenteil sogar. Nicht nur einmal hat man schon zu mir gesagt: Das, was du in einem Jahr an Katastrophen erlebst, reicht bei anderen fürs ganze Leben…

Na ja: Ob man jetzt wirklich alles als Katastrophen bezeichnen sollte, lassen wir jetzt mal dahin gestellt. Große Herausforderungen gab’s allerdings weit genug in meinem Leben! Und es fing sehr früh an…

Ich war grade mal ein halbes Jahr alt, als mein leiblicher Papa mit frischen 24 Jahren von heute auf morgen verstorben ist. Okay… das hab ich selbst nun damals nicht wirklich realisiert – was ich allerdings schon als Kleinkind sehr wohl gespürt habe: Wie sehr meine Mama mit diesem schlimmen Verlust und auch mit dem Leben gekämpft hat. Denn damals war eine allein erziehende Mutter noch nicht so normal wie heute. Und mit grade mal 23 Jahren und einem kleinen Kind den Mann zu verlieren, mit dem man noch nicht mal ein Jahr verheiratet war… – ich weiß aus ihren vielen Erzählungen, dass sie in den folgenden Jahren oft nahe dran war, (sich) aufzugeben.

Mir war natürlich immer klar, dass das ganz schlimm gewesen sein musste. Wie furchtbar das damals wirklich für meine Mama war, ist mir allerdings das erste Mal so richtig bewusst geworden, als ich für ihre Beerdigung im letzten Jahr ihr Lieblingslied herausgesucht… – und mir überhaupt das allererste Mal den Text richtig angehört habe. Es ist die Schicksalsmelodie aus dem Film Dr. Schiwago von 1964. Das Jahr, in dem ich geboren wurde… das Jahr, in dem auch mein Papa starb.

Momente des größten Glücks – Momente der tiefsten Trauer:
Beide ganz nah beieinander…

 

Verlorene Momente?

Du kannst dir vielleicht vorstellen, dass ich grade hier sitze und weine? Wenn ich dieses Lied heute höre, ist mir klar, wie sehr diese Zeit meine Mama für ihr ganzes Leben geprägt hat und warum ich für mich oft das Gefühl hatte, sie könne das Leben nicht so richtig genießen. Vielleicht weil sie ganz einfach den Blick für den Augenblick verloren hatte?

Und doch gab es auf der anderen Seite ganz viele Momente, wo sie so herzlich und aus der Tiefe heraus schallend lachen konnte, dass es alle anderen einfach mitgerissen hat.


Umso dankbarer bin ich dafür, dass das Leben ihr vor ihrem Tod noch viele Möglichkeiten gegeben hat, sich mit vielem auszusöhnen. Und dass wir Kinder, ihre Enkel, ihre Freundinnen Susanna und Karin ihr in dieser Zeit noch viele schöne Momente und Lachen schenken konnten.

Das war nix Großes – und wenn ich es genau bedenke, war es hauptsächlich Liebe, die wir ihr geschenkt haben. Dass wir ihr gezeigt und auch gesagt haben, wie sehr wir sie lieb haben. Immer und immer wieder…

Liebe… – manchmal gewürzt mit selbstgebackenem Kuchen, einem Eiskaffee bei uns hinterm Haus, dem Frühschoppen mit ihren Damen im Freibad, einem Schwarzwaldbecher im Hotel zum Ochsen, wo sie aufgewachsen ist, am Morgen ihres Todestages hat sie mit einem solchen Genuss drei Herzkirschen verdrückt, dass uns beim Zuschauen grade das Wasser im Mund zusammen gelaufen ist.

Vor allem aber haben wir uns Zeit für sie genommen. Ganz viel Zeit!

Und für mich waren es die allerschönsten Momente, wenn ich gespürt habe, dass sie diese Zeit und auch unsere Zuwendung endlich mal so richtig genießen konnte.

Ich erinnere mich noch gut daran: Ungefähr eine Woche vor ihrem Tod saßen wir bei uns hinter dem Haus in der Sonne – und Mama hat nicht (wie sonst immer) nach einer Stunde gesagt: Jetzt möcht ich wieder heim – ihr habt bestimmt zu tun. Nein… sie lehnte sich völlig entspannt in ihrem Stuhl zurück und hat die Sonne genossen. Fast 3 Stunden lang…

Und ich? Ich habe alle Termine für diesen Nachmittag abgesagt… und es waren unglaublich schöne Momente für mich, meiner Mama beim Genießen zuzuschauen.

Mama wollte erst nach Hause, als die Sonne weg war und als ich sie heim gefahren habe, sagte ich ihr, wie schön es sich für mich angefühlt hat, dass sie so entspannt war und es richtig spürbar war, wie sie den Moment genossen hat.

Da hat sie mich lang angeschaut und sagte ganz still:
“Da hätte ich auch schon früher drauf kommen können!”DANKE Mama:
Für alles, was du mich gelehrt hast und dass du mich auch heute noch in jedem Moment spüren lässt, dass du immer bei mir bist…


Und jetzt frage ich DICH:

Schätzt du diese kleinen tollen Momente jeden Tag? 

Ich bin absolut sicher, dass es sie auch in deinem Leben gibt! 

Oder meinst du wirklich, es macht Sinn, die schönen Momente auf später zu verschieben? Wenn dann mal wieder andere Zeiten sind? Wenn du wieder verreisen kannst? Wenn du wieder shoppen gehen kannst? Wenn die Eisdielen wieder offen haben? Hängt dein Glück wirklich davon ab, dass du endlich wieder regelmäßig zum Frisör kannst?


Ich hab’s schon erwähnt: Grade gibt’s bei mir wieder größere Herausforderungen, die ich selbst leider nicht in der Hand habe. Sie sind echt sehr anstrengend… und sie haben absolut nix mit C zu tun. Allerdings bin ich mittlerweile sehr sturmerprobt und somit hält mich nichts und niemand davon ab, dass ich mir täglich kleine Glücksmomente produziere!

Machst du mit?


Fokussiere dich einfach jeden Tag auf die vielen kleinen schönen Momente…


Song für die Seele

(das 2. Lieblingslied meiner Mama…)


 

Genieß dein Leben, denn du lebst nur JETZT und HEUTE!
Morgen kannst du gestern nicht nachholen – und später kommt vielleicht früher, als du denkst…

Ich wünsch dir einen WUNDERvollen Sonntag!